Eigentlich wollte ich über meinen gestrigen Tag schreiben. Der Titel sollte sich dann "Wenn Blödheit anfängt weh zu tun" oder "Superschuselsara3000" nennen. Am Ende des satirisch angehauchten Posts sollte ich dann selber über meine Doofheit lachen und gut wärs gewesen, aber jetzt, einen Tag später finde ich das dann doch gar nicht so witzig. Im Gegenteil. Gestern, 9:45 stieg ich in den ICE und fuhr voller Vorfreude nach Leipzig. Es sollte in das Russische Konsulat gehen um das heißersehnte Visum endlich zu beantragen. Da ich Zeit sparen wollte nahm ich mir am Bahnhof ein Taxi und fand 8,50 Euro eine gute Investition um ohne Irrgänge (habe doch keinen Orientierungssinn) zum Ziel zu gelangen. Als es dann soweit war und ich dieser russischen Schönheit am Visaschalter meine Papiere übergeben wollte, blieb mir fast das Herz stehen. Wo ist mein Reisepass? Einfach nicht da. Ja, ich verliere öfters mal Dinge in meiner viel zu großen Handtasche, die Tante D. immer liebevoll Einraumwohnung nennt, aber diesmal fand ich das verlorene Ding nicht wieder. Hatte ich doch früh in aller Eile zur Sicherheit eine Kopie machen wollen und den Pass im heimischen Kopieren liegen gelassen. Ich solle in den nächsten Tagen nochmal wiederkommen. Um unnötigen Stress zu vermeiden, wurde mir ein Expressvisum versprochen. Ich glaube, dass meine Verzweiflung nicht zu übersehen war und die Damen und Herren Mitleid mit mir hatten. Aber ohne Pass geht halt nichts. Nun gut. Ich nahm es dann irgendwie mit Humor und versuchte mich nicht weiter zu ärgern. Nicht über die 12,50 Euro Hinfahrt, nicht über die 8,50 Taxifahrt, nicht über 10,50 Euro Rückfahrt und nicht über die verlorene Zeit. Natürlich ärgerte ich mich trotzdem und das ganze endete mit einem Frustkauf deluxe. Fotos werden selbstverständlich folgen. Abends konnte ich tatsächlich drüber lachen und fand es halb so schlimm, da ich ja trotzdem einen schönen Tag hatte. Doch was heute geschah, lässt auch den gestrigen Tag in ein anderes Licht rücken. (Aberglaube? Ein bisschen.) Heute morgen wachte ich voller Energie auf, sprang unter die Dusche, machte mich schick, packte meine Tasche, kontrollierte mehrmals ob auch alles vollständig ist, schnappte mir noch schnell eine Flasche Wasser und begab mich Richtung Jena Paradies. Haha, paradiesisch war es irgendwie gar nicht. Wie am Tag zuvor stieg ich in den ICE, setzte mich ans Fenster und atmete tief ein. Ein lauter Pfiff und der Zug fing an zu rollen. Routinemäßig wollte ich zuerst meine Fahrkarte und mein Portemonnaie, in der meine Bahncard50 steckt rausholen, um bei der Fahrkartenkontrolle unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Ich griff in meine wunderschöne, gestern bei ZARA erworbene Tasche und fühlte wie mein Körper einfach nur zurücksackte. Tränen schossen mir in die Augen und ich konnte es einfach nicht begreifen. Die Wasserflasche war ausgelaufen und hat einen Großteil meiner Dokumente zerstört. Das gibt es doch nicht. Fassungslos saß ich da nun in meinem ICE Sitz, schaute immerwieder auf meine Papiere, doch es änderte sich nichts. Diverse Papiere sind zerstört und unbrauchbar. Die wichtigsten zwei: Pass und Einladung jedoch fast unversehrt. Der Zug fuhr über Naumburg. Dort stieg ich aus, weinte ein bisschen vor mich hin, holte mir einen Kaffee und wartete zwei Stunden auf den nächsten Zug zurück nach Jena. Bis morgen werde ich für alle Dokumente Ersatz haben und werde zum dritten Mal Anlauf nehmen. Doch ich fühle mich unwohl mit dem Gedanken. Was ist, wenn es einfach nicht sein soll? Vielleicht soll ich nicht nach Russland? Sind das Zeichen, die mich davon abhalten sollen? Oder ist das Glas halbvoll und alle guten Dinge sind drei? Ich weiß es nicht. Doch dieses Gefühl auf dem Abstellgleis zu stehen möchte ich sobald nicht nochmal fühlen.

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