Sonntag, 9. September 2012

Tag 5 - Heimweh

Heute ist mein 5. Tag in Bijsk und ich wünschte ich könnte über viele faszinierende Eindrücke, besondere Ereignisse und mein Wohlbefinden berichten, doch ich kann nicht. Ich fühle mich furchtbar einsam und unwohl. Ich verstehe die Menschen schlecht und wenn ich so schlecht russisch spreche wie die Germanistikstudenten deutsch, dann gute Nacht Marie. Es waren bisher alle sehr nett und freundlich zu mir, ich habe nichts zu beanstanden, dennoch ist es nicht das, was ich erwartete. Dass ich in eine Stadt komme, die mit meinen gewohnten europäischen Standarts nicht viel zu tun hat, war mir klar. Dass ich mich mit einfachen Bedingungen abfinden muss auch. Und das ist es ja auch gar nicht. Immer wieder höre ich die Worte meiner Dozentin "Sara, es ist keine attraktive Stadt. Die Stadt ist besonders im Sommer sehr staubig und dreckig." . Oder "Was wollen Sie sich denn dort gönnen, dort es gibt es nichts Besonderes.". Habe ich das alles überhört? Nein, ich habe es einfach nicht wörtlich genommen. Ich habe zwar noch nicht viel gesehen, doch meine Neugier ist auch nicht geweckt mehr zu sehen. Gestern habe ich mich aufgerafft und bin ein paar Stunden blind umhergelaufen. Ich wollte gerne den Fluss Bija sehen, da Gewässer immer eine positive Auswirkung auf mein Gemüt haben. Ich fand ihn auch und für ein paar Minuten ging es mir besser. Während meines Spaziergangs habe ich bewusst nur Schönes fotografiert um mir diese schönen Seiten vor Augen zu halten. Doch so richtig mag es nicht klappen. Ich sitze in meinem Schlafanzug verheult auf meinem Bett und habe Heimweh. Was mache ich hier eigentlich? Und warum zur Hölle so lange? Hätten 3 Wochen Intensivsprachkurs in Moskau nicht auch gereicht? Ausgerechnet nach Sibirien, in eine Stadt, in der sich die Brandmarken der Sowjetunion nicht vertuschen lassen? Wird es besser? Brauche ich noch ein bisschen Zeit? Ab morgen habe ich ja dann Programm und muss in der Uni funktionieren, vielleicht wird es dann besser. Vielleicht lerne ich ja noch ein paar nette Olgas und Nataschas kennen und es wird alles ganz toll. Vielleicht auch nicht. Ich denke an meine Reisepassgeschichte zurück und bilde mir ein, dass ich gewarnt wurde, aber alle Warnsignale gekonnt ignoriert habe.







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